Verein Zürcher Museen
Museum des Monats
Zentralbibliothek Zürich
Museum des Monats
Juli 2010
News Ticker

Über das Museum

Die Zentralbibliothek ist Kantons-, Stadt- und Universitätsbibliothek von Zürich und mit mehr als 5 Millionen Objekten (Bücher, Zeitschriften, Handschriften, Mikroformen, Tonträger) eine der grössten Bibliotheken der Schweiz. Im Herzen der Stadt am Zähringerplatz gelegen, bietet sie auf 150 Regalkilometern ein riesiges Angebot an Informationsquellen – immer mehr auch in elektronischer Form mit über 40'000 elektronischen Zeitschriften, e-books und Datenbanken. Über eine halbe Million Besucher pro Jahr zeugen von der Attraktivität dieses Angebots.

Als Universitätsbibliothek sammelt die Zentralbibliothek die wissenschaftliche Literatur zu allen an der Universität Zürich gelehrten Fächern mit einem Schwerpunkt in den Geistes- und Sozialwissenschaften. Die Bestände der Stadt- und Kantonsbibliothek ergänzen diesen Fundus mit Biographien, Reiseführern, Romanen und Ratgebern. Die Zentralbibliothek ist darüber hinaus die Hüterin der Turicensia und sorgt für deren umfassende Dokumentation und Archivierung; Turicensia sind Werke, die in Zürich erschienen sind, von Zürcherinnen und Zürchern verfasst wurden oder Zürcherisches zum Thema haben.

Die regelmässigen Ausstellungen im Katalogsaal und in der Schatzkammer im Predigerchor geben der Zentralbibliothek als ältestem Kulturinstitut von Zürich Gelegenheit, ihre Schätze einem breiten Publikum näherzubringen. Sie nehmen sich der vielfältigsten Themen an und zeigen Exponate, die vor allem in einer der fünf Spezialsammlungen (Alte Drucke, Graphische Sammlung, Handschriften-, Karten-, und Musikabteilung) aufbewahrt werden. Zu jeder Ausstellung wird ein Rahmenprogramm mit öffentlichen Vorträgen und Führungen geboten.


«Spur im Treibsand. Oskar Kokoschka neu gesehen. Briefe und Bilder»

Ausstellung im Predigerchor der Zentralbibliothek vom 14. April bis 2. Oktober 2010

«Spur im Treibsand» – so nannte Kokoschka seine 1956 erschienene Ausgabe von Geschichten, die er seiner Frau mit den Worten «Für Olda / Erzählt von O.K.» widmete. In das Olda geschenkte Exemplar zeichnete Kokoschka mit Buntstiften seine hagere Silhouette auf der Wanderung durch eine Wüste. Als einzige Zeugen seines bewegten Lebensweges, den die Zeichnung metaphorisch darstellt, bleiben die Fussspuren in Sand.

Der Titel und die Buntstiftzeichnung, die auf dem Plakat und der Begleitpublikation der Ausstellung prangen, versinnbildlichen das Anliegen der Zentralbibliothek Zürich: Die mehr als 20'000 Dokumente im schriftlichen Nachlass des Künstlers, der zu den zahlreichen Schätzen der Zentralbibliothek gehört, muten auf den ersten Blick wie Sandkörner in einer Wüste an. Um dieses gewaltige Material zu erkunden, hat sich eine internationale Gruppe von Kokoschka-Forschern auf die Spurensuche in einem Meer aus Sandkörnern begeben. Sie sind dabei auf neue Fussspuren und unbekannte Pfade in Kokoschkas verschlungenem Lebensweg gestossen, die es erlauben, den Künstler immer wieder «neu zu sehen». Gezeigt werden viele bisher unbekannte Dokumente zu seiner Biographie, zu seinen Lieb- und Leidenschaften, seinen Reisen durch ganz Europa und Nordafrika, seinen schmerzlichen Erfahrungen durch Krieg, Verfolgung und Exil, zu Kokoschkas «Schule des Sehens», der von ihm 1953 gegründeten Internationalen Sommerakademie in Salzburg, seinem Wirken als Bühnenbildner für Theater und Oper und seiner Hinwendung zur Welt der Antike nach dem Zweiten Weltkrieg. Neben Autographen, Zeichnungen und Photographien aus dem schriftlichen Nachlass des Künstlers erscheinen Werke der Fondation à la mémoire de Oskar Kokoschka in Vevey, wobei sich Bilder und Schriftstücke gegenseitig ergänzen und erhellen. Dem Besucher werden neue und überraschende Einblicke in das Leben und Werk des grossen Künstlers gewährt.

Das Ausstellungskonzept und die Begleitpublikation wurden von der Zentralbibliothek Zürich in enger Zusammenarbeit mit der Fondation à la mémoire de Oskar Kokoschka erarbeitet. Beide Institutionen besitzen dank grosszügiger Schenkungen durch Olda Kokoschka einmalige Sammlungsbestände aus allen Lebens- und Schaffensphasen des Künstlers. 1981 übergab Olda Kokoschka den schriftlichen Nachlass ihres Gatten in die Obhut der Handschriftenabteilung der Zentralbibliothek Zürich, durch deren eifrige Sammeltätigkeit und kontinuierliche Ankäufe die Anzahl der Korrespondenzen und Manuskripte kontinuierlich anwächst. Sieben Jahre später gründete die Witwe die Fondation à la mémoire de Oskar Kokoschka, zu deren Sitz sie die nur wenige Kilometer von ihrem Wohnort entfernte Stadt Vevey wählte. Diese Stiftung verwahrt inzwischen die weltweit grösste Sammlung von Werken des Künstlers.

Die Ausstellung der Zentralbibliothek Zürich bildet den Auftakt des Schweizer Kokoschka-Jahres 2010. Vor hundert Jahren unternahm der 1886 in Österreich geborene Künstler in Begleitung des Architekten Adolf Loos seine erste Auslandsreise in die Westschweiz. Im Januar 1910 entstanden dort das Bildnis der Tänzerin Bessie Bruce, die unter dem Titel Les Dents du Midi bekannte Landschaft sowie das berühmte Porträt des Naturforschers Auguste Forel. Im Sanatorium Mont Blanc in Leysin malte der 23jährige weitere Porträts adliger, lungenkranker Patienten. Diese frühen Werke legten den Grundstein zu Kokoschkas Ruhm und machten ihn zu einer Leitfigur des Expressionismus. Zwanzig Jahre nach seiner endgültigen Niederlassung in Villeneuve am Genfersee erklärte Kokoschka in seinem Grusswort an den Kanton Waadt, was ihn an dieser Gegend so faszinierte: «Als ich zum erstenmal den Genfer See besuchte, das war vor den zwei Weltkriegen, als meine eigene Heimat noch nicht von der politischen Landkarte verschwunden war, da hätte noch keiner der hier Geborenen daran gedacht, die Regionen, wo der beste Wein der Schweiz wächst, als ein legendäres Paradies schildern zu wollen. Für mich ist es noch ein wirkliches, dank des gestirnten Himmels über mir, der eisbegrenzten Gebirge vor mir und dieser unendlichen Aussicht auf den See von der Grasnarbe, die mein eigen ist. Es ist mir zur zweiten Heimat geworden, dank der freundlichen Menschen um mich herum, die trotz der modernen Völkerwanderung des internationalen Tourismus an ihrem Glauben festhängen, dass das Himmelreich auf Erden und nicht im Jenseits oder in ferner Zukunft sei« (8. April 1973). Sieben Jahre später starb der Maler im Alter von 94 Jahren nach einem schaffensreichen Leben im Spital von Montreux. Dass sein künstlerischer und schriftlicher Nachlass ebenfalls in der Schweiz eine dauerhafte Bleibe fanden, entsprach dem Wunsch des Künstlers und seiner 2004 verstorbenen Witwe Olda Kokoschka.


Öffnungszeiten:

Montag bis Freitag von 13–17 Uhr, Samstag von 13–16 Uhr. Eintritt frei.


VORTRÄGE, FÜHRUNGEN DURCH DIE AUSSTELLUNG:

Kurzvortrag mit anschliessender Führung:
5. Juli 2010:
Prof. Dr. Régine Bonnefoit, Institut d’histoire de l’art et de muséologie, Université de Neuchâtel / Fondation à la mémoire de Oskar Kokoschka, Musée Jenisch Vevey
«Ich male Porträts, weil ich es kann» – Kokoschka als Porträtist

6. September 2010:
Annette Windisch, MA, Institut d’histoire de l’art et de muséologie, Université de Neuchâtel
«Eine duftige Geschichte vor dem Roman» – unbekannte Widmungszeichnungen von Kokoschka

Themenführung durch die Ausstellung [Link]:
Jeden Freitag, 13 Uhr


BEGLEITPUBLIKATION:

Régine Bonnefoit und Ruth Häusler (Hrsg.), «Spur im Treibsand» – Oskar Kokoschka neu gesehen. Briefe und Bilder. Mit Beiträgen von Gunhild Bauer, Régine Bonnefoit, Ruth Häusler, Keith Holz, Hermann Köstler, Bernadette Reinhold, Friedbert Scharfetter und Annette Windisch.
Michael Imhof Verlag, Petersberg 2010
ISBN 978-3-86568-524-7
CHF 44.-


WEITERE WICHTIGE EREIGNISSE IM RAHMEN DES KOKOSCHKA-JAHRES 2010:

Ausstellung: «Oskar Kokoschka – Wunderkammer»
Museum Liner, Stiftung Liner Appenzell
Unterrainstrasse 5, Appenzell
11. Juli 2010 – 8. Januar 2011
Informationen unter www.museumliner.ch


Öffnungszeiten:

Bereich Tag Zeiten
Lesesäle, Katalogsaal, Information Montag bis Freitag
Samstag
08.00 – 20.00
09.00 – 17.00
Bücherausgabe und -rücknahme Montag bis Freitag
Samstag
08.00 – 20.00
09.00 – 17.00
Frei zugängliche Bestände
(Freihandmagazine)
Montag bis Freitag
Samstag
08.00 – 19.45
09.00 – 16.45
Handschriftenabteilung /
Sammlung Alte Drucke
Montag bis Freitag
Samstag
10.00 – 18.00
10.00 – 16.00
Graphische Sammlung /
Kartensammlung
Montag bis Freitag
Samstag
14.00 – 18.00
14.00 – 16.00
Musikabteilung
(im Predigerchor, Predigerplatz 33)
Montag bis Freitag
Samstag
10.00 – 18.00
10.00 – 16.00


Links:

Adresse und Anreise:

Zentralbibliothek Zürich
Zähringerplatz 6
8001 Zürich

Telefon: +41 (0)44 268 31 00
Telefax: +41 (0)44 268 32 90

E-Mail: zb[at]zb.uzh.ch
www.zb.uzh.ch